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Weltreise 27, Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam: Schnappschüsse vor dem Panzer

Dies ist die vorletzte Station meiner Weltreise (falls nicht etwas Unvorhergesehenes eintritt): Ho-Chi-Minh-Stadt alias Saigon, wichtigste Stadt Südvietnams. Im Gegensatz zur Hauptstadt Hanoi, wo ich zuletzt war, ist HCMC (wie es auch liebevoll genannt wird – für Ho Chi Minh City) eine echte Großstadt mit größtenteils begehbaren Fußwegen und Ampeln, an denen der Verkehr auch wirklich stoppt – natürlich ist es trotzdem noch etwas chaotischer als etwa Shanghai. Außerdem ist Saigon als frühere Hauptstadt Südvietnams eine Stadt mit Geschichte.

Posieren vor US-Militärgerät im Kriegsmuseum (malte göbel)
Posieren vor US-Militärgerät im Kriegsmuseum (malte göbel)

Aber kurz noch zum Verkehr: Zwar sind die Straßen in HCMC breiter als in Hanoi – aber das bedeutet auch, dass man als Fußgänger beim Überqueren eine weitere Strecke zurücklegen muss. Wie in Hanoi bedeutet das Motorbike ein Stück Lebensgefühl. Manche machen auf ihrer Maschine ein Nickerchen am Straßenrand, und Abends sitzen viele zu zweit schmusend am Rand vom Park – ebenfalls auf dem Moped. In Hanoi war das etwas schöner, da stand das Moped am See.

Ich bin aber auch auf der Suche nach Geschichte – immerhin war Saigon Hauptstadt von Südvietnam, bis es am 30. April 1975 von den Truppen des Nordens eingenommen wurde. In letzter Sekunde hatten die USA ihre Botschaft evakuiert (Operation „Frequent Wind“), die Bilder von Hubschraubern auf dem Dach des Botschaftsgebäudes gingen damals um die Welt.

Erinnern an den Vietnam-Krieg

Ich besuche das „War Remnants Museum“, also das Museum der Kriegsrestposten, wenn man es genau übersetzt. Im Hof ist malerisch US-Militärgerät ausgestellt, ein paar Flugzeuge, ein Hubschrauber, ein Panzer. Eine vietnamesische Schulklasse ist da, die Jugendlichen fotografieren sich lachend und kreischend vor dem Panzer (siehe Bild). Im Gebäude dahinter ist eine Austellung, bei deren Besuch mir jedenfalls jede Lust auf spaßige Panzerfotos vergeht. Auf drei Stockwerken zeigt die Show das Verhalten der USA im Vietnamkrieg – Fotos vom Einsatz von Agent Orange und anderen Dioxinen oder auch Napalm, um die Wälder zu entlauben, die Behandlung der vietnamesischen Bevölkerung, die in Massakern wie dem von My Lai gipfelten – und die Kriegsfolgen, missgebildete Kinder und aktuelle Berichte von Minenexplosionen.

Natürlich ist es eine Propaganda-Ausstellung. Auf einem einzigen Foto ist ein gefangen genommener Scharfschütze der kommunistischen Vietcong zu sehen, der Kinder in einer Kirche beschossen hatte. Ansonsten geht es aber nur um die Verbrechen der USA, nordvietnamesische Massaker wie das von Hué kommen nicht vor. Trotzdem einschüchternd zu sehen, mit welcher Brutalität die US-Truppen vorgingen und Opfer unter der Zivilbevölkerung billigend in Kauf nahmen – man fühlt sich unwillkürlich an die aktuellen Kriege in Irak und Afghanistan erinnert. Ein Bild zeigt auch das Waterboarding eines Gefangenen, bei dem Ertränken simuliert wird – von der CIA auch nach dem 11. September gern angewendet.

Um so erstaunlicher ist es, wie freundlich die Vietnamesen heute den Amerikanern begegnen. Diese stellen bei weitem die größte Gruppe von Besuchern und Expats, sowohl in Hanoi als auch in Ho-Chi-Minh-Stadt. Vietnam blickt nach vorn, die Menschen sind zuversichtlich, die Wirtschaft wächst – trotz weiterhin verbreiteter Korruption und realsozialistischer Misswirtschaft. Vielleicht macht das ein bisschen Hoffnung auch für Irak und Afghanistan.

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Malte, Reiseexperte

Einmal um die Welt war für mich ein Traum. Dann habe ich einfach beschlossen, ihn in die Tat umzusetzen. Nun reise ich fünf Monate lang über Nordamerika, Australien und Asien um die Welt.
Für Abacho.de berichte ich regelmäßig von meiner Tour, erzähle aus dem Weltreisealltag und gebe Tipps für spannenderes Reisen.

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1 Comment

  1. jacek sagt:

    Schon vorbei dir Reise? Vielen Dank fuer die schoenen Berichte 🙂

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