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Weltreise 20, Honolulu: Deutsche Busse auf Hawaii

Zwei Wochen mache ich Stopp in Honolulu – doch es reicht wegen der letzten Kurzstopps in San Diego und Los Angeles nur für ein Posting. In Hawaii feiere ich Bergfest, in doppelter Hinsicht: Die Hälfte meiner Reisezeit ist um – und es ist sicherlich ein Höhepunkt meiner Weltreise. Nicht nur wegen Strand, Palmen und Sonne und so:

Strand wie im Reiseführer (malte göbel)
Strand wie im Reiseführer (malte göbel)

Hawaii ist ein so klischeebeladener Ort, dass ich wohl nicht hierhergekommen wäre, wenn nicht eine gute Freundin hier wohnen würde, die ich aus New York kenne. Und ich bereite mich darauf vor, wohl nicht wie Elvis Presley von zu Ukulele-Musik  tanzenden Einheimischen in Baströckchen empfangen zu werden und Blumengirlanden umgehängt zu bekommen. Doch das Schlimme ist: Alles ist wahr. Am Flughafen säuselt aus den Lautsprechern Israel Kamakawiwo’ole (auch in Deutschland bekannt wegen seiner hinreißenden Cover-Version von „Somewhere Over The Rainbow“), auf einem Bildschirm läuft ein Urlaubsfilm mit Hula-Tanz, und meine Gastgeberin wirft mir noch vor der Begrüßung eine Blumenkette über. Willkommen auf Hawaii!

Dabei hält Honolulu dann doch noch genug Überraschungen für mich bereit. Waikiki ist ein recht enger Strand und vollkommen überfüllt, das angeschlossene Tourismus-Viertel besteht grob genommen aus zwei Straßen und wird zu 90 Prozent von Japanern bevölkert. Hawaii sei eben das Mallorca der Japaner, wird mir gesagt – was ich auch feststellen muss, als ich zum Sonnenaufgang den Berg Diamond’s Head erklettere, was an vielen Stellen als sagenhafte und besinnliche Erfahrung geschildert wird. Leider hatten rund 300 japanische Touristen die gleiche Idee.

Citytour in Bussen aus Berlin

Weil das in San Diego so gut funktioniert hat, mache ich eine Honolulu City Tour mit dem Bus durch Waikiki und Downtown Honolulu. Der Bus kommt mir bekannt vor, und ich identifiziere ihn anhand deutscher Aufschriften und des markanten Gummifensterrahmens als alten BVG-Bus aus Berlin. Mit sowas bin ich vor zwanzig Jahren zur Schule gefahren. Der Fahrer gibt mir gleich eine Lektion in Sachen Hawaiianischer Gelassenheit: Mein Ticket gilt laut Aufschrift einen Tag, auf der Website stehen zwei Tage, in der Email sagte man mir, es gelte eine Woche – und der Fahrer sagt, neun Tage seien auch ok. Cool!

Eine der Hauptattraktionen (abgesehen von den Stränden) ist das Shangri-La – das Haus der 1993 verstorbenen Millionenerbin Doris Duke, das sie sich in den 30er Jahren hatte bauen lassen und im Laufe ihres Lebens mit islamischer Kunst gefüllt hat. In ihrem Testament bestimmte sie, dass es nach ihrem Tod als Zentrum für islamische Kunst weiter geführt werden solle. Heute werden pro Tag drei Touristengruppen hineingelassen, man erfährt leider mehr über den milden Charakter und die sanfte Stimme der Millionärin als über die Kunst an sich – dafür ist diese vielleicht auch zu zusammengewürfelt, aus den letzten tausend Jahren und Ländern von Marokko bis Indien. Trotzdem sehr hübsch und mit atemberaubender Sicht auf den Diamond’s Head.

Hawaii-Geschichte im Bishop-Museum

Ein Pflichttermin für Touristen sollte auch der Besuch des Bishop-Museums sein, das sich der hawaiianischen Geschichte widmet. Es ist gleichzeitig Archiv und Bildungsstätte für Forscher und Studierende und hält jede Menge Ressourcen zu Hawaii bereit. Fast schon zu detailliert beschreibt es Bräuche und Alltag der Hawaiianer, bevor die Inselkette von den USA kolonialisiert wurde – Vorgänge, die noch zu historisch pikant sind, um sie derart detailliert darzustellen.

Denn Hawaii hat mit Amerika eigentlich gar nichts zu tun. Es wird dem polynesischen Dreieck zugerechnet, dessen nördliche Spitze es ist (Südwesten: Neuseeland, Südosten: Osterinsel). Bis 1893 war Hawaii ein unabhängiges Königreich, dessen Monarchen mit europäischen Staaten Verträge schlossen und deren Hofleben nachahmten – dann wurde Königin Liliʻuokalani auf Betreiben der USA gestürzt, eine provisorische Republik eingerichtet, und schließlich annektierten die USA 1898 die Inselkette.

Erst 1959 wurde Hawaii der 50. Bundesstaat der USA – nach einer Abstimmung, deren Gültigkeit von vielen Hawaiianern heute in Zweifel gezogen wird, weil nicht nur die ursprünglichen Bewohner Hawaiis abstimmten, sondern auch alle US-Militär-Angehörigen – und davon gab es ziemlich viele. Noch heute gehören rund 25 Prozent der wichtigsten Insel Oahu dem amerikanischen Militär, es ist neben dem Tourismus wichtigster Wirtschaftsfaktor – und gibt manchen Hawaiianern das Gefühl, in einem besetzten Land zu leben. Seit Jahren gibt es deswegen eine Unabhängigkeitsbewegung, wobei Hawaii inzwischen wohl zu multikulturell ist, als dass sie sich durchsetzen würde.

Denn es gab seit der Machtübernahme von Kamehameha I. 1809 immer wieder Einwanderungswellen: von Chinesen, dann Portugiesen, dann Chinesen, Japanern, Amerikanern, Polynesiern… es war der Portugiese João Fernandes, der 1879 die Ukulele mitbrachte, die heute als typisch für Hawaii gilt – das ist nur ein Symbol für die Offenheit, mit der die neuen Einwohner in Hawaii empfangen wurden, und für die Freundlichkeit, die auf den Inseln heute normal ist.

Malte, Reiseexperte

Einmal um die Welt war für mich ein Traum. Dann habe ich einfach beschlossen, ihn in die Tat umzusetzen. Nun reise ich fünf Monate lang über Nordamerika, Australien und Asien um die Welt.
Für Abacho.de berichte ich regelmäßig von meiner Tour, erzähle aus dem Weltreisealltag und gebe Tipps für spannenderes Reisen.

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