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Weltreise 16, Oakland: San Franciscos schmutzig-attraktive Schwester

Kalifornien! Eigentlich wollte ich nach San Francisco, aber mein alter Freund Kangs, mit dem ich vor zehn Jahren in New York Musik gemacht habe, wohnt jetzt in Oakland, so dass mich meine Weltreise vor San Francisco erstmal nach Oakland führt. Ist vielleicht auch gut, um erstmal Abstand zu New York und den letzten Erlebnissen (u.a. dem Besuch der 9/11-Gedenkstätte) dort zu bekommen.

Marihuana-Uni in Oakland (malte göbel)
Marihuana-Uni in Oakland (malte göbel)

Denn wirklich spektakulär ist Oakland zunächst nicht. Es hat so eine seltsame Dazwischen-Lage, zwischen San Francisco, der schillernden Kalifornien-Metropole, und Berkeley, der Hippie- und Universitäts-Stadt. In dieser Nachbarschaft wirkt Oakland wie die schmutzige Schwester.

Eine Freundin, die mal in Berkeley studierte, warnte mich, dass die Stadt sehr „sketchy“ sei, also dubios und unsicher. Auch Wikipedia verkündet, dass Oakland besonders für seine hohe Kriminalität bekannt sei – „besonders gefährlich“ sei die „killing zone“ zwischen den Highways 580 und 880. Ein kurzer Blick auf die Karte enthüllt, dass ungefähr zwei Drittel der Stadt zwischen diesen Highways liegen – auch das Haus von Kangs, wo ich untergebracht bin.

„Wie New York in den 90ern“

Kangs versucht, die offiziellen Statistiken etwas zu relativieren. Ja, er sei mal vom Fahrrad gestoßen worden, ein paar Freunde seien in Schlägereien geraten und ab und zu höre er Schießereien von seinem Haus aus. Aber das sei auch nicht viel anders als das New York der frühen 90er Jahre. Er wohnt jetzt zwar schon seit acht Jahren hier, aber ich bin nicht besonders beruhigt. An meinem dritten Morgen in Oakland höre ich das erste Mal eine Polzeisirene in der Ferne. Ist das jetzt ein gutes Zeichen (wenig zu tun) oder ein schlechtes (wenig Polizei unterwegs)? In New York hat man alle fünf Minuten irgend eine Sirene gehört.

Mir fällt eher auf, wie autofreundlich die Stadt ist – überall sind Highways in Reichweite (also auch Sicht- und Hörweite), auch kurze Trips in andere Stadtviertel führen am schnellsten ein paar Hundert Meter über den Highway. Und bei meinen Touren durch die Stadt fällt auf, dass es nicht gerade so ist, als würde sie nur vor sich hinvegetieren im Schatten von San Francisco und Berkeley.

Da ist vielleicht der Vergleich mit New York der 80er und 90er Jahre ganz angebracht. Seitdem erlebt die Ostküstenmetropole einen ungeahnten Boom, der auch durch Wirtschaftskrisen und Terrorismus-Attacken nicht zu stoppen war. New York wird immer teurer und zieht immer noch junge Kreative aus aller Welt an, Manhattan ist durchgentrifiziert, auch Brooklyn wird immer schicker.

Gentrifizierung a la New York?

Oakland könnte auf dem gleichen Weg sein. Es ist von San Francisco über eine Brücke und eine Nahverkehrsbahn schnell zu erreichen, von Berkeley sowieso. Die Mieten sind gering, hier stehen viele Häuser leer, und eine starke Alternativkultur entwickelt sich: Künstler und Studenten mögen die Stadt, die ihnen mehr Bewegungsfreiheit bietet als eine der beiden Schwesterstädte: Beispielhaft hierfür könnte die Marihuana-Universität „Oaksterdam“ sein, die sich 2007 gründete und seitdem boomt. Der Schwerpunkt liegt auf der medizinischen Verwendung von Cannabis, die hier unter Auflagen erlaubt ist. Und auch im Stadtviertel Temescal ist die Gentrifizierung schon deutlich zu spüren: Hier machen immer mehr hippe Coffee-Shops und Bioläden auf, die ihrerseits ein junges, trendbewusstes Publikum anziehen. Vielleicht setzt sich hier gerade eine Spirale in Bewegung, und in zehn Jahren ist Oakland attraktiver als seine Schwestern…

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Malte, Reiseexperte

Einmal um die Welt war für mich ein Traum. Dann habe ich einfach beschlossen, ihn in die Tat umzusetzen. Nun reise ich fünf Monate lang über Nordamerika, Australien und Asien um die Welt.
Für Abacho.de berichte ich regelmäßig von meiner Tour, erzähle aus dem Weltreisealltag und gebe Tipps für spannenderes Reisen.

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2 Comments

  1. Jacek sagt:

    Oakland ist schon auf dem besten Weg zum kreativen Zentrum der Bay Area zu werden. Wenn du dich ein wenig in Emeryville umschaust, mit seinen kleinen und grossen Softwareschmieden, und dann auch bei den Pixar Studios vorbeilaeufst, wird das schnell deutlich. Die Gegend um Lake Merritt, westlich davon Grand Avenue, und Alameda im Sueden sind Aushaengeschild des neuen Oakland.

    Vergiss nicht den obligatorischen Abstecher zu Mt. Tam zu machen – es lohnt sich!

    • Malte sagt:

      Danke für die Tipps, die ich hiermit gern an alle anderen Oakland-Besucher weiterreiche… 🙂
      Ja: es lohnt sich!

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