Malte auf Weltreise, Reise Inspiration

Weltreise 10, Toronto, Scarborough: Chinatown in der Vorstadt

In meinen letzten Weltreise-Postings habe ich schon anklingen lassen, dass Toronto eine sehr multikulturelle Stadt ist. Die Innenstadt mit ihren ethnisch geprägten Kiezen ist schon zu klein geworden für die weiteren Zuwanderer – im zweiten Little Italy “Corso Italia” habe ich mich schon über italienische Schlagermusik gefreut, nun komme ich nach Scarborough, einen Vorort, in dem mittlerweile wahrscheinlich mehr Chinesen leben als in Chinatown in der Innenstadt – laut Wikipedia gibt es übrigens mindestens sechs Chinatowns in Toronto. Wow.

Chinesische Betriebe in Scarborough (malte göbel)
Chinesische Betriebe in Scarborough (malte göbel)

Scarborough war mir bisher nur als typische, langweilige Vorstadt ein Begriff. Wenn ich Leute traf, die von dort waren, rieten sie mir von einem Besuch ab – da gebe es nichts zu sehen, noch dazu sei es weit weg. „Scarboring“ nannten sie es, oder „Scarberia“, in Anspielung auf Sibirien. Ich fahre trotzdem hin, um meine Freundin Chris zu besuchen, die dort aufgewachsen ist.

So weit ist das gar nicht, wenn man in großstädtischen Dimensionen denkt: vierzig Minuten mit der U-Bahn aus dem Zentrum, dann nochmal fünfundzwanzig Minuten Bus. Machbar. Und schon stehe ich vor der Pacific Mall, unserem Treffpunkt. Mein Bild von der „typischen“ Vorstadt hat schon vorher die ersten Dellen bekommen, denn in meinem Kopf bedeutete das vor allem weiße Mittelschicht, die aus der Stadt geflüchtet ist, um ihren Traum von einem Haus mit Kleinfamilie zu erfüllen. Im Bus sitzen dann aber nur wenige Weiße, statt dessen alle möglichen Leute. Könnte am Bus liegen beziehungsweise daran, dass die Weißen in der Vorstadt vermutlich alle Autos haben. Doch als ich an der Pacific Mall aussteige, gibt es auf einmal nur noch chinesische Schilder. Manche mit englischen Übersetzungen, aber vor allem sind es chinesische Schriftzeichen.

Chinatown in der Vorstadt

Die Mall selbst ist mehr Markt als Einkaufszentrum, statt Filialen der ansonsten omnipräsenten Ketten gibt es kleine Läden, die wohl von Familien gemietet werden. Es gibt asiatische Gewürze, chinesische Videos, billigen Schmuck, undefinierbares Süßzeug, Asia-Food bis zum abwinken – und gefühlt jeder zweite Laden verkauft Handys oder Handytaschen. Ich war noch nicht in China, aber sollte man sich so China vorstellen? Eher Hongkong, vermutet Chris, aber sie war auch noch nie da.

Chris ist hier aufgewachsen, und sie erzählt mir, dass die Gegend in den 80ern vor allem italienisch geprägt war, erst in den 90ern zogen so viele Chinesen hierher. Damit zeigt der chinesische Teil von Scarborough einen anderen Stand in der Entwicklung als das Chinatown in der Stadtmitte von Toronto. Das gibt es seit den 50ern, und in Einwanderercommunities bleibt immer ein bisschen die Zeit stehen, dort also das China von vor 50 bis 60 Jahren – Scarborough verkörpert mehr die 90er und die Honkong-Kultur. Viele Hongkongchinesen verließen in den 90ern ihre Heimatstadt, da diese 1997 von den Briten an die Volksrepublik China gegeben wurde. Sie siedelten sich in Kanada an. Vancouver wurde schon mal als “Hongkongcouver” bezeichnet, für Scarborough müsste noch ein lustiger China-Name gefunden werden.

Bubble Tea (malte göbel)
Bubble Tea (malte göbel)

Chris empfiehlt mir in der Mall eine besondere Spezialität: Bubble Tea, Kultgetränk in Asien und Australien. Das ist nicht etwa Tee mit Kohlensäure, wie ich zuerst vermute, sondern gesüßter grüner oder schwarzer Tee mit Kügelchen aus Tapioka oder einer anderen Speisestärke unten drin – auch “Perlentee” genannt. Das trinkt man durch einen extra dicken Strohhalm, wo die quietschsüßen Bubbles durchflutschen können. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber sehr lecker. Allein schon deswegen hat sich die Reise nach Scarborough gelohnt. Bin mal gespannt, ob Hongkong da mithalten kann – aber das ist ja erst in zwei Monaten…

Malte, Reiseexperte

Einmal um die Welt war für mich ein Traum. Dann habe ich einfach beschlossen, ihn in die Tat umzusetzen. Nun reise ich fünf Monate lang über Nordamerika, Australien und Asien um die Welt.
Für Abacho.de berichte ich regelmäßig von meiner Tour, erzähle aus dem Weltreisealltag und gebe Tipps für spannenderes Reisen.

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