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Showtime on Broadway: New York für Musicalfans

“The Great White Way” wurde der Broadway früher genannt, als die Straße im Licht tausender weißer Glühlampen erstrahlte, die jede Theaterfront bestückten. Heute buhlen buntgrelle Werbeplakate und riesige Videoschirme rund um den New Yorker Times Square um die Aufmerksamkeit der Touristen aus aller Welt, die sich im Theaterviertel zwischen 40. und 49. Straße in Manhattan drängeln.

Paradies für Musical- und Theaterfans:Der Broadway
Paradies für Musical- und Theaterfans:Der Broadway

Der Broadway, dem schon so oft der Untergang prophezeit wurde, ist so lebendig und erfolgreich wie lange nicht mehr. Auch für deutsche Musicalfreunde lohnt sich die Reise an den Hudson, denn dank des günstigen Dollarkurses sind Theaterbesuche am New Yorker Broadway häufig noch günstiger als in Deutschland. Und die einzigartige Atmosphäre gibt es gratis dazu.

Der Broadway im Wandel der Zeit

Die alten Klassiker ziehen noch heute
Die alten Klassiker ziehen noch heute

Die große Zeit des “Great White Way” ging in den 60er Jahren zu Ende, als immer mehr Menschen lieber ins Kino als ins Theater gingen oder gleich zuhause vor dem neumodischen Fernsehapparat blieben.

Die Jugend tanzte zu Elvis Presley oder rockte zu den Rolling Stones und hatte mit der guten alten Welt von Judy Garland und Gene Kelly nichts mehr am Hut. Auch das Musical, das liebste Kind der amerikanischen Unterhaltung, musste sich neu orientieren und neue Stile entwickeln, um das Publikum weiterhin zu erreichen. Parallel zum Niedergang der klassischen Musical Comedy erfolgte auch der Niedergang von New York City, einem unregierbar gewordenen Moloch mit den höchsten Verbrechensraten der USA. Am Times Square, wo einst Hollywood-Legenden Tür an Tür auf den Broadway-Bühnen spielten, tummelten sich Drogenhändler, Prostituierte und Obdachlose.

Die Wende kam vor allem mit zwei Namen: Andrew Lloyd Webber und Rudolph Giuliani. Ersterer, vielfach preisgekrönter Musicalkomponist aus Großbritannien, brachte in den 80er Jahren mit “Evita”, “Cats” und “Phantom der Oper” drei der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten an den Broadway, von denen das “Phantom” sogar heute noch im 25. Jahr im Majestic Theatre auf der 44th Street zu sehen ist. In seinem Windschatten etablierten sich weitere Erfolgsmusicals wie “Les Misérables”, das ebenfalls 20 Jahre lang am Broadway zu sehen war, und eine neue Generation von Autoren und Komponisten entwickelte sich. Kurz danach begann der neue New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani die als unregierbar geltende Megastadt mit harter Hand aufzuräumen. Pornokinos und Drogenhändler verschwanden vom Times Square, neue Geschäfte und Restaurants kamen. Und auch die Touristen kehrten zurück, die sich nun wieder bis spät in die Nacht hinein am Times Square aufhalten konnten. Seit drei Jahren ist ein Teil des Times Square sogar für den Autoverkehr gesperrt, so dass sich das Gedränge auf den Bürgersteigen entzerrt hat.

Wo Mary Poppins und Spiderman aufeinander treffen

Heute gleicht der Times Square einem kunterbunten Vergnügungspark, in dem sich Einheimische nicht mehr blicken lassen. Die 42nd Street ist zum Mini-Disneyland geworden, in dem seit Jahren die Bühnenfassung des “König der Löwen” ebenso ungebrochenen Erfolg feiert wie die zuckersüße Geschichte um das Kindermädchen “Mary Poppins” und seit neuestem Superheld “Spiderman”, der sich mit Seilen gesichert durch das Foxwoods Theater schwingt. Auch andere Musicals setzen auf die amerikanische Liebe zum Fantastischen: Das erfolgreichste Musical der letzten zehn Jahre ist “Wicked”, das die Vorgeschichte zum Klassiker “The Wizard of Oz” erzählt und die spätere böse Hexe des Westens in den Mittelpunkt stellt, die hier als rebellisches Schulmädchen Elphaba dargestellt wird.

Doch nicht alles am Broadway ist leichtgewichtige Konfektionsware für die Touristenfamilien aus dem Mittleren Westen: Der aktuelle Bestseller am Broadway ist “The Book of Mormon”, eine bitterböse Satire auf die in den USA weit verbreitete Mormonensekte, die von den Machern der weltweit beliebten Zeichentrickserie “South Park” geschrieben wurde. Trotz oder vielleicht wegen der absoluten Respektlosigkeit gegenüber den Mormonen und den mit Fäkalsprache gewürzten Texten ist “The Book of Mormon” seit der Premiere im April 2011 stets restlos ausverkauft – und das bei Durchschnittspreisen von 170 Dollar pro Ticket.

Rabatte von 50 Prozent auf Broadway Tickets sind möglich

Solche Kartenpreise können jedoch nur wenige Shows verlangen. Die meisten Musicals bieten außer zu bestimmten Zeiten wie z.B. um Thanksgiving und Weihnachten, großzügige Rabatte von 30 bis 50 Prozent auf die Broadway Tickets an, um ihre Sitze zu füllen. Sogenannte Discount Codes gibt es im Internet oder vor Ort als Inserate in Tageszeiten und auf Flyern gedruckt, die am Times Square verteilt werden. Wenn dir Schlange stehen nichts ausmacht, kannst du dein Glück auch am Tag der Vorstellung am TKTS-Schalter auf dem Times Square versuchen:  Hier werden Restkarten für den gleichen Tag mit Rabatten verkauft – oft bis zu 50 Prozent.  Die Schlangen sind gewöhnlich lang, doch die Abwicklung geht schnell. Zwei weitere TKTS-Verkaufsstellen gibt es am South Street Seaport in Downtown Manhattan und in Brooklyn – hier ist die Wartezeit meistens wesentlich kürzer.

Günstiger sind die Tickets auch bei den sogenannten Off-Broadway Theatern: Damit wurden früher generell kleinere Häuser bezeichnet, die sich in anderen Stadtvierteln befanden, vor allem in Greenwich Village. Doch mittlerweile haben sich auch in direkter Nachbarschaft zum Broadway Off-Broadway-Spielstätten eingerichtet wie der Theaterkomplex New World Stages an der 50th Street mit fünf Bühnen. Hier werden unter anderem die beiden Hits “Avenue Q” und “Rent” gespielt, die vorher jahrelang erfolgreich am Broadway liefen und nun zu günstigeren Preisen in kleinen Häusern eine neue Heimat gefunden haben.

Souvenirs für daheim

Übrigens: Wenn du Souvenirs vom Broadway suchst, bist du in lizensierten Souvenirshops am besten aufgehoben. In Läden wie One Shubert Alley (in der gleichnamigen Gasse, die 44th und 45th Street miteinander verbindet) und Theater Circle in der 44th Street (neben dem St.James Theatre) findest du eine riesige Auswahl an Merchandise der einzelnen Broadway Shows, sowie vom Broadway allgemein, z.B. Poster, Fotobuch, Kleidungsstücke und Regenschirme.

Seit dem Ende des Virgin Megastore am Times Square gibt es jedoch keinen einzigen CD-Laden mehr am Broadway. Zu übermächtig ist in den USA die Konkurrenz durch Onlinehändler und digitale Downloads geworden. Wer CDs der aktuellen Broadway-Shows mit nach Hause nehmen will, sollte sie direkt in den Theatern erwerben oder kann sein Glück bei Barnes & Noble auf der Fifth Avenue probieren.

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