Welche ist die Schönste? Seit dem 6. September zeigt die Gemäldegalerie Alte Meister im Semperbau am Dresdner Zwinger unter dem Titel “Himmlischer Glanz” Mariendarstellungen der Renaissance. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen zwei Madonnen Bilder Raffaels. Die Sixtinische Madonna aus dem Bestand der Staatlichen Kunstsammlung Dresden und die Madonna di Foligno, welche für die Ausstellung – so die Veranstalter – “exklusiv und erstmalig” die Vatikanischen Museen in Rom verlassen hat.
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Ein Zusammenkunft der ganz besonderen Art, denn beide Madonnen sind Hauptwerke Raffaels (1483-1520), die vermutlich etwa zeitgleich, um 1512 entstanden und nun, nach 500 Jahren wieder aufeinander treffen. Möglich gemacht hat diese “Familienzusammenführung” der Papstbesuch. Die Ausstellung “Himmlischer Glanz” ist eine Kooperation der Staatlichen Kunstsammlung Dresden mit den Vatikanischen Museen in Rom, die anlässlich der Deutschlandreise Benedikts XVI. realisiert wurde.
Um die beiden Hauptdarstellerinnen des Semperbaus am Dresdner Zwinger gruppieren sich weitere “Schönheiten” aus der Zeit Raffaels. Zu sehen sind Werke, die ihre Herkunft in Italien oder Deutschland haben und damit eine einmalige Gegenüberstellung von Mariendarstellungen südlich und nördlich der Alpen erlauben.
Madonnentreff in Dresden – welche ist die Schönste?
Dank einer vor kurzem durchgeführten Restaurierung erstrahlt die Madonna di Foligno (1511/12) in einem leuchtenden, fast poppigen Farbgewand und lässt ihre “Konkurrentin”, die Madonna Sistina, auf den ersten Blick ein wenig blass aussehen. Doch bei allem Glanz, der die Foglino-Madonna umgibt, ihr “Schwester” besticht durch Präsenz, Würde, ja einer Art inneren Ruhe.
Beide Werke thematisieren die Erscheinung der Maria. Bei der Sixtinischen Madonna verzichtete Raffael allerdings komplett auf die Ordnung eines zentralperspektivischen Systems: Die Landschaft im Hintergrund ist verschwunden, die strenge Trennung zwischen himmlischer und irdischer Sphäre aufgehoben. Schaut man auf die gängigen Konventionen, wird klar, welch neue Wege, sowohl in künstlerischer als auch theologischer Hinsicht, der Künstler hier ging.
Die Foglino-Madonna stellt die Vision einer thronenden Himmelskönigin vor, auf welche die anwesenden Heiligen von der Erde aus emporblicken. Bei der Sistina dagegen ist das ganze Bild eine Vision, wie Andreas Platthaus in seinem Artikel treffend beschreibt. Der Vorhang ist beiseite gezogen, unmittelbar schaut der Betrachter über die Brüstung hinweg auf die ihm entgegen kommende Mutter Gottes. Die anwesenden Personen (Papst Sixtus und die Heilige Barbara) verharren nicht am Boden, sondern schweben mit ihr auf dem diffusen Wolkenuntergrund.

Wie unterschiedlich die Mariendarstellung ausfiel, zeigt der Vergleich mit anderen Werken. Die Mondsichelmadonna von Lucas Cranach dem Älteren (vor 1523, Frankfurter Städelmuseum) beispielsweise offenbart, dass man nördlich der Alpen in der Darstellung teilweise noch stark im Mittelalter verhaftet war. Die Figuren sind nach dem mittelalterlichen Gestaltungsprinzip der Bedeutungsperspektive angeordnet. Mutter und Kind sind als wichtigstes Element die größten Figuren der Bildkomposition. Statt vor einem fassbarem Raum ist Maria vor einem ikonenhaften Goldgrund gesetzt.
Ganz anders hingegen die Mariendarstellungen Albrecht Dürers. Der Dresdner Altar (um 1496) aus dem Bestand der Staatlichen Kunstsammlung Dresden zeigt eindrucksvoll, welchen engen Austausch man beidseitig der Alpen zum Teil pflegte.
Ein weiteres Highlight der Ausstellung ist die Stuppacher Madonna von Matthias Grünewald. Das Werk - exklusiver Gast im Dresdner Zwinger – ist ein 1516 entstandenes Wallfahrtsbild aus der Pfarrkirche Mariä Krönung in Stuppach bei Bad Mergentheim in Baden-Württemberg. Neben monumentalen Gemälden zeigt die Ausstellung “Himmlischer Glanz” auch Arbeiten auf Papier, darunter die einzige überlieferte Vorzeichnung zur Madonna di Foligno (British Museum London). Abgerundet wird die Schau durch Bücher und Dokumente, welche spannende Einblicke in Raffaels Werkstatt und die Auftraggeberschaft seiner Madonnen geben.
Die Madonna mit Kind- das meistgemalte Motiv der Zeit
Bei allen Unterschieden, die selbst beim Vergleich der beiden Raffael Gemälde zu Tage treten, werden doch alle Werke von einer wichtigen Gemeinsamkeit getragen. Für Raffael als auch für seine Zeitgenossen nördlich der Alpen gehörten Mariendarstellungen zu den vornehmsten künstlerischen Aufgaben überhaupt. Als Auftraggeber der Sixtinischen Madonna ist niemand geringeres als Papst Julius II. (1443 bis 1513) überliefert. Der Auftrag für die Madonna di Foglino wurde Raffael wahrscheinlich bereits ein Jahr früher, im Jahr 1511, erteilt. Der Auftraggeber war Sigismondo de’ Conti, der Sekretär von Papst Julius II.
Wichtige Infos im Überblick
Die Ausstellung ”Himmlischer Glanz. Raffael, Dürer und Grünwald malen die Madonna” läuft vom 6. September 2011 bis zum 8. Januar 2012. Die Ausstellung bildet den Auftakt zum großen Jubiläumsjahr 2012: Dann nämlich feiert Raffaels Sixtinische Madonna 500. Geburtstag.
- Adresse: Gemäldegalerie Alte Meister, Theaterplatz 1 (Semperbau am Zwinger), 01067 Dresden, Tel.: 0049(0)351-49 14 2000. Weitere Informationen gibt es auf www.skd.museum.
- Öffnungszeiten: Täglich 10.00 bis 18.00 Uhr, montags geschlossen.





















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