Es ist ein ganz besonderer Leckerbissen, den kulturinteressierte Berlin Besucher gerade in der deutschen Hauptstadt präsentiert bekommen: Am Donnerstag, den 25. August, öffnete die Ausstellung “Gesichter der Renaissance. Meisterwerke der italienischen Portrait-Kunst” im Berliner Bode-Museum ihre Türen und zieht seit ihrem Auftakt tausende Besucher in ihren Bann.
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Meisterwerke der italienischen Portraitkunst

Was sich einem in den extra für die Ausstellung hergerichteten Räumen des Bode-Museums bietet, sind mehr als 150 Werke der italienischen Portraitkunst – Gemälde, Skulpturen, Medaillen und Handzeichnungen aus dem 15. Jahrhundert, die von der Hand 40 verschiedener Künstler stammen. Einige Werke gehören zum Bestand der Staatlichen Museen zu Berlin, doch viele sind auch weitgereiste Gäste, die für “Gesichter der Renaissance” ihr angestammtes Haus zum ersten Mal verlassen haben. Der Louvre in Paris, die Uffizien in Florenz oder die National Gallery in London (und viele mehr) – sie alle sind mit kostbaren, höchst exklusiven Leihgaben vertreten.
Den Machern der Ausstellung – eine Zusammenarbeit der Gemäldegalerie Berlin mit dem Metropolitan Museum of Art in New York – ist damit eine einzigartige Zusammenkunft hochkarätiger Meisterwerke geglückt. Noch nie habe es einen derart umfassenden Überblick über die italienische Portraitkunst des 15. Jahrhunderts gegeben, sagte der Kurator der Ausstellung, Stefan Weppelmann, zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung.
Leonardo da Vincis “Dame mit dem Hermelin” (1489/90) ist unzweifelhaft der “Stargast” der Schau. Die Dame ist höchst empfindlich und wird am 21. Oktober frühzeitig abreisen, um – nach einem kurzen Zwischenstopp in London – wieder nach Krakau (Museum Czartoryski) zurückkehren, wo sie für die nächsten zehn Jahre nicht mehr bewegt werden darf.
Die Entdeckung des Individuums
Portraits, sind in der Gegenwart selbstverständlich, doch zwischen dem fünften und dem 15. Jahrhundert bildeten autonome Bildnisse von Einzelpersonen eher eine Ausnahme. Wenn, dann waren Bildnisse ein Privileg, das Herrschern, Heiligen oder historischen Helden vorbehalten war. Der gewöhnliche Mensch durfte sich gelegentlich als kleine, kniende Stifterfigur am Bildrand oder als “Staffage“ eines größeren Ganzen verewigen. Erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts beginnt sich das beidseitig der Alpen zu ändern: Anhand erlesener Werke zeigt die Ausstellung, wie sich das Portrait mit dem Beginn der Renaissance in den damaligen Machtzentren Florenz, Venedig oder Rom allmählich als autonome Bildgattung etabliert.
Die “Gesichter der Renaissance” entführt den Besucher in eine Zeit, in welcher der neuzeitliche Mensch beginnt, das Individuum (wieder-) zu entdecken und selbstbewusst in die (Bild)-Mitte zu rücken. Plötzlich muss man kein König oder antiker Held mehr sein, um das eigene Antlitz auf Medaillen, Tafeln oder in Büsten wiederzufinden, es braucht nur das nötige Kapital, um einen Künstler mit der aufwendigen und kostspieligen Fertigung des eigenen Bildnis beauftragen zu können.
Wirklichkeit und Ideal
Zu sehen sind Portraits von Adeligen, Kaufleuten, Heeresführern, begehrenswerten Frauen oder ernsten Jünglingen – nicht immer kennt man die genaue Identität der zu Sehenden und nur bei den wenigsten weiß man, wie sie tatsächlich ausgesehen haben. Durch ihre lebensahe Darstellung glaubt man jedoch, die Potraitierten zu kennen und in den schönen, ernsten oder stolzen Gesichtern, ihre Charakterzüge lesen zu können.
Doch bei aller “Wirklichkeit”, die man in den Bildern zu sehen glaubt, die Renaissance-Portraits sind vor allem auch Inszenierungen, die dazu dienten, Status und Reichtum des Dargestellten zum Ausdruck zu bringen, Machtansprüche einer ganzen Familie geltend zu machen – durch kostbare Kleidung, bedeutungsvolle Attribute, Haltung oder Gesichtszüge, die den damaligen Vorstellungen von Schönheit, Reinheit oder Macht entsprachen. So manches Mal wurde am physischen Erscheinungsbild des Auftraggebers ein wenig nachgebessert, Fettleibigkeit beispielsweise in hoheitsvolle Würde umgedeutet.
Regionale Unterschiede
Die Entwicklung des Portraits vollzieht sich im Italien des 15. Jahrhunderts jedoch keineswegs als einheitlicher Prozess, sondern lässt zwischen den einzelnen Machtzentren der damals politisch zersplitterten Halbinsel deutliche Unterschiede erkennen. Die Ausstellung will die regionalen Unterschiede herausstellen. Die Schau wurde daher in drei klar umrissene Sektionen gegliedert. Den Ausgangspunkt macht Florenz, da hier das autonome Portrait erstmals in großer Fülle auftritt. Der Blick richtet sich schließlich auf die Höfe von Mantua, Ferrara, Bologna, Urbino, Neapel, Mailand und das päpstliche Rom. Die Ausstellung schließt mit der Republik Venedig, wo sich eine Portraittradition erst wesentlich später etablierte.
Die Ausstellung “Gesichter der Renaissance” läuft noch bis zum 11. November 2011. Anschließend wird die Schau im Metropolian Museum of Art in New York (vom 19. Dezember 2011 bis 18. März 2012) zu sehen sein. “Die Dame mit Hermelin” wird allerdings nicht mitreisen.
Wichtige Infos im Überblick
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