Gerhard Richter, Deutschlands prominentester Gegenwartskünstler, feiert am 9. Februar 2012 seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlass werden in mehreren deutschen Städten große Sonderausstellungen zum Schaffen Richters veranstaltet. Die Neue Nationalgalerie in Berlin nimmt sich dem Jubilar ab dem 12. Februar mit einer großen Retrospektive an. Die Kunsthalle im Lipsiusbau in Dresden lädt bereits am 4. Februar zur großen Gerhard Richter Schau. In der Kunsthalle in Bremerhaven steht ab dem 9. Februar nicht das Œuvre, sondern der Maler selbst als Kunstobjekt im Fokus.
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“Gerhard Richter – Panorama”: Neue Nationalgalerie in Berlin
Die Neue Nationalgalerie in Berlin richtet gemeinsam mit der Tate Modern in London und dem Centre Pompidou in Paris die wohl umfassendste Ausstellung zum großen Gerhard Richter Jahr aus. Etwa 150 Werke aus allen Schaffensphasen werden in der großen Retrospektive “Gerhard Richter – Panorama” zu sehen sein. Präsentiert wird eine pointierte, von Richter teilweise selbst vorgenommene Auswahl seines facettenreichen Gesamtwerkes, das vor etwa fünf Jahrzehnten seinen Anfang nahm. Neben Arbeiten, die zu Ikonen der Malerei wurden, wie das Bild der herabsteigenden “Ema – Akt auf einer Treppe” aus dem Jahre 1966 und der sich vom Betrachter abwendenden “Betty “von 1988, darf man sich auch über viele unbekannte oder nur selten ausgestellte Arbeiten freuen.
Die weitestgehend chronologische Präsentation macht deutlich, dass das Zwiegespräch zwischen Abstraktion und Figuration sich wie ein Leitmotiv durchs Richter‘ische Œuvre zieht und sich bereits im allerersten Gemälde aus Richters Werkkatalog, dem ebenfalls gezeigten “Tisch” von 1962, ankündigt. Über Werke, mit denen der heute in Köln lebende Künstler erste Erfolge feierte, führt der Blick bis zu jüngeren Arbeiten.
Erstmals in dieser Vision gezeigt würden die zum Werk “4900 Farben” gehörenden 196 Tafeln, teilte die Co-Kuratorin der Ausstellung, Dorothee Brill, mit. Jede der Tafeln bestehe aus 25 farbig lackierten Plättchen mit einer Seitenlänge von jeweils 9,7 Zentimetern. Über die Zusammenstellung der Plättchen auf den Tafeln entscheide das Los. Auch die Reihenfolge der Tafeln, die sich im Mies van der Rohe Bau über eine Gesamtlänge von 200 Metern erstreckten, bleibe dem Zufallsprinzip überlassen.
Übrigens: Wer den bekannten Zyklus “18. Oktober 1977″ ebenfalls sehen möchte, sollte den Gang zu Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel in Berlin auf sich nehmen. Während der Ausstellungsdauer wird der monumentale Bildzyklus hier zu sehen sein. Als Ergänzung zur Retrospektive in der Neuen Nationalgalerie zeigt darüber hinaus das private Berliner Ausstellungshaus me Collectors Room zeitgleich etwa 200 Druckgrafiken, Fotoarbeiten, Künstlerbücher und Plakate. Die Ausstellung trägt den Titel “Gerhard Richter Editionen” (12. Februar bis 13. Mai 2012).
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“Gerhard Richter. Atlas”: Kunsthalle im Lipsiusbau Dresden
Der Stadt Dresden ist Gerhard Richter in besonderer Weise verbunden: Hier erblickte der Maler, Bildhauer und Fotograf am 9. Februar vor genau 80 Jahren das Licht der Welt. Anlässlich des großen Jubiläums gewährt das 2006 gegründete Gerhard Richter Archiv in einer Ausstellung tiefe Einblicke in das Schaffen des Künstlers. Im Zentrum der Schau in der Kunsthalle im Lipsiusbau steht Richters sogenannter “Atlas”, ein Konvolut, das aus 783 gerahmten Tafeln mit mehr als 15.000 Fotografien, Zeitungsausschnitten, Skizzen und Entwürfen besteht. Als Grundlage für seine Gemälde, aber auch als eigenständiges Werk nimmt der “Atlas” einen wichtigen Platz in seinem Gesamtwerk ein.
Bereits zu Beginn der 60er Jahre begann der heute in Köln lebende Künstler die Materialsammlung anzulegen. 1972 wurde das Kompendium, das bis dahin eine lose Ansammlung war, von Richter zum ersten Mal geordnet. Dafür klebte er die gesammelten Stücke auf Karton und gab dem Ganzen den Namen “Atlas”. Richter erkannte in den gesammelten Bildvorlagen immer mehr deren eigenständige künstlerische Qualität. Mit der Zeit wuchs der “Atlas” von 343 auf knapp 800 Tafeln an.
Die in der Ausstellung im Lipsiusbau gezeigten Tafeln sind Leihgaben aus der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München, die nach genauen Vorgaben des Künstlers gehängt wurden. Dazu gibt es ein gleichnamiges Künstlerbuch, das Richter nicht als Dokumentation der Ausstellung, sondern eher als eine zweite, alternative Präsentation des Werkes versteht
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“Benjamin Katz fotografiert Gerhard Richter”: Bremerhaven
Auf eine etwas andere Weise wird der deutsche Künstler in der Kunsthalle in Bremerhaven geehrt, denn hier steht nicht sein Werk, sondern Richter selbst im Mittelpunkt – und zwar in Bildern des in Belgien geborenen, deutschen Fotografen Benjamin Katz. Dieser begleitet seit vielen Jahrzehnten das Who is Who der deutschen Künstlerszene: Neben Richter zum Beispiel auch Georg Baselitz, dessen Werke neben den Aufnahmen von Katz im Jahr 2007 gezeigt wurden.
Das Dresdner Gerhard Richter Archiv kaufte erst vor kurzem 83 von Katz Richter-Fotografien, die in mehr als 30 Jahren entstanden. Viele dieser Fotos werden in der Schau, die am 5. Februar ihre Pforten fürs Publikum öffnet, ausgestellt. Zu sehen gibt es Bilder, die den Maler bei der Arbeit zeigen, oder intime Portraits. Man darf gespannt sein: Denn als Fotograf, der selber im Kunstgeschehen aktiv und mit vielen seiner “Objekte” freundschaftlich verbunden ist, gelangen Katz Aufnahmen von besonderer Nähe und Vertrautheit.
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