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“Emil Nolde. Die religiösen Bilder” in Berlin

Es sind keine frommen Bilder, die die Ausstellung “Emil Nolde – Die religiösen Bilder” in der Dependance Berlin der Emil Nolde Stiftung Seebüll zeigt. Die Ausstellung offenbart einen sehr persönlichen, sehr bewegenden Teil des Schaffens Emil Noldes (1867 bis 1956). Die religiösen Themen haben den Künstler sein Leben lang bewegt. Immer wieder hat er Geschichten der Bibel zu Bildern verarbeitet, wie die knapp siebzig Werke der Ausstellung dokumentieren.

Emil Nolde: Pharaos Tochter finde Moses, Gemälde, 1910 (© Nolde Stiftung Seebüll)
Emil Nolde: Pharaos Tochter finde Moses, Gemälde, 1910 (© Nolde Stiftung Seebüll)

Die Nolde Stiftung präsentiert hier eine Seite des großen Künstlers ganz jenseits seiner bekannten Landschaftsbilder, die genährt ist von Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen. Nolde hat die meiste Zeit seines Lebens in seiner nordfriesischen Heimat verbracht, weit weg von den Menschen, und doch war er den Menschen ganz nah, er kannte sie durch und durch, wie man in seinen Bildern entdecken kann.

Nachdem sich Emil Nolde von der Künstlergruppe “Die Brücke”und der “Berliner Secession” verabschiedet hatte, um mit Max Pechstein und anderen 1910 die “Neue Berliner Secession” zu gründen, entstanden auch religiöse Gemälde wie “Pharaos Tochter findet Moses”. In leuchtenden, ja geradezu prächtigen Farben hat Nolde die Tochter des ägyptischen Pharaos am Nil gemalt. Im Hintergrund wiegt sich das Schilf, der gewaltige Fluss hat nur noch am oberen Bildrand Platz, lässt aber dennoch ein leichtes Rauschen vernehmen. Die Königstochter und die Damen in ihrer Begleitung schauen voller Neugier in den wie ein Schatzkästlein wirkenden Korb. Etwas Schöneres haben sie wohl noch nie gefunden.

Nolde hat meist das Geschehen im Vordergrund sehr groß und plastisch in Szene gesetzt, was durch den flach wirkenden Hintergrund noch betont wird. Oft scheint die Leinwand fast zu klein zu sein für Geschehen, so auch in der “Anbetung der Könige”, was der Szene eine tiefe Innigkeit verleiht. Die Mutter taucht ihr Gesicht förmlich in die Haare des blonden Knaben auf ihrem Schoß, und auch die Könige würden es ihr wohl am liebsten gleichtun.

Emil Nolde: Grablegung, Gemälde 1915 (© Nolde Stiftung Seebüll)
Emil Nolde: Grablegung, Gemälde 1915 (© Nolde Stiftung Seebüll)

Ähnlich eng drängen sich die Menschen auf dem Bild der “Grablege”. Der Geschundene Körper Christi ist auch hier wieder geborgen im Schoß seiner Mutter, die Beine trägt ein weißhaariger Apostel, der den Gekreuzigten und dessen Mutter voller Mitleid betrachtet. Dahinter zeigt sich das schmerzverzerrte Gesicht Maria Magdalenas, deren leuchtend rote Haare die Farbe des Blutes Christi wiederaufnehmen.

Eines der Hauptwerke der Ausstellung ist das Triptychon “Martyrium”, deren Mitte eine fast mittelalterliche Kreuzigung bildet. Geradezu abstoßend sind die beiden riesigen, zu hässlichen Grimassen verzerrten Gesichter im Vordergrund. Voll Häme grinsend neigen sie sich zu einander, wie zwei auf einander eingespielte Intriganten, die sich freuen, einen verhassten Menschen endgültig ausgeschaltet zu haben. Dieser widerliche Hohn steigert noch die Sinnlosigkeit des Leidens Christi und die Konsequenzen dieser Kreuzigung, die Verfolgungen der Christen in der frühen Christenheit, die links und rechts zu sehen sind. Menschen werden in einer Arena den Löwen vorgeworfen oder verbrannt.

Emil Nolde: Frau und Engel, Aquarell, undatiert (© Nolde Stiftung Seebüll)
Emil Nolde: Frau und Engel, Aquarell, undatiert (© Nolde Stiftung Seebüll)

Dass Religion nicht nur ernst sein muss, demonstriert auch Nolde ganz wunderbar humorvoll mit dem Aquarell “Frau und Engel”. Der blaue Engel scheint der Frau förmlich hinterherlaufen zu müssen, um seine Botschaft verkünden zu können. Das ist nicht gerade die klassische Art der Kunst, die Begegnung mit einem Engel darzustellen. Aber vielleicht hat Nolde auch nur tiefer in die menschliche Seele geschaut als manch anderer. Denn die Botschaft eines Engels kann alles verändern, und nicht jeder ist offen für einen solchen Einschnitt in seine Lebensplanungen.

Nolde hat die Menschen verstanden, er hat erspürt, welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt, in bestimmten Situationen zu empfinden, und er hat verstanden, diese Emotionen in seinen Bildern auszudrücken. Vielleicht brauchte Nolde die Abgeschiedenheit seiner Heimat, um solche berührenden Werke zustande bringen zu können, so schrieb er selbst: “Vielleicht nur, weil wir in unserem entlegenen Glück so still dahinlebten, gelang mir das Malen solcher gemütsschweren Bilder.”

“Emil Nolde. Die religiösen Bilder” läuft vom 11. November 2011 bis 15. April 2012. Der Katalog zur Ausstellung ist bei Dumont in Köln erschienen und kostet 29,95 Euro.

  • Adresse: Nolde Stiftung Seebüll, Dependance Berlin, Jägerstraße 55, 10117 Berlin, Tel.:+49(0)30-400046 90, weitere Informationen auf nolde-stiftung.de.
  • Öffnungszeiten: Täglich von 10.00 bis 19.00 Uhr.
  • Preise: Erwachsene acht Euro, ermäßigt drei Euro.

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